Geläut

Glocken

Elektrisches Geläut

1991 erhielt die Kirche ein elektrisches Geläut.

Uhr bestimmt Länge und die Zeit

Bis dahin wurden die Glocken vom Mesner über Seile, wie man dies aus Filmen kennt, geläutet.

Beim händischen Geläut richtete sich die Länge nicht nach der Stoppuhr. Beim Gebetläuten z. B. dauerte die große Glocke einen „Engel des Herrn“ mit einer kurzen Unterbrechung nach dem „Gegrüßet seist Du Maria“ lang, die kleine Glocke einen „Vater unser“ (im konservativen Bayern mit „Gegrüßet seist Du Maria“).

Händisch geläutet wurde um 6:00 Uhr früh, um 12:00 Uhr (Dauer einen Engel des Herrn) und bei Einbruch der Dunkelheit. Außerdem ganzjährig freitags um 11:00 Uhr mit beiden Glocken, sonst nur mit der großen (Dauer: einen Vater unser mit Gegrüßet seist Du Maria) und samstags um 15:00 Uhr (Feierabend- bzw. Dreiläuten) in folgender Reihenfolge: kleine, große, dann beide Glocken zusammen, Länge jeweils einen Vater unser mit Gegrüßet seist Du Maria.

Mit dem elektrischen Geläut wird der Engel des Herrn auf 2 Minuten und der Vater unser mit 1 Minute festgelegt.

Hörprobe Dreiuhrläuten: kleine Glocke – große Glocke – beide Glocken zusammen.

Hinweis: Link geht zu YouTube!

Wetterläuten

Auch nach der Installation des elektrischen Geläuts wird noch das Wetterläuten in der Zeit vom 3. Mai bis 14. September praktiziert. Bei Anzug eines Gewitters wird mit der kleineren der beiden Kirchenglocken geläutet. Steht das Gewitter direkt über dem Ort, so kommt zusätzlich die große Glocke zum Einsatz.

Kein Wetterläuten gibt es zwischen dem abendlichen und dem morgendlichen Gebetläuten, außer es hat der Blitz in einem Gebäude eingeschlagen und ein Feuer ist ausgebrochen. Das war dem Mesner Klement Wildgruber aber sehr wichtig, die Hilfe der Dorfbewohner durch ein Wetterläuten zu unterstützen. Es wird berichtet, dass er vor lauter Eile ohne Hose zum Läuten lief. Seine Frau Auguste Wildgruber lief mit einer Hose dann hinterher. In einem Hochzeitgstanzl hieß es hierzu, „… dass es nicht geht, dass der Mesner nackat im Glockenhaus drin steht“.

Noch heute legen die Bürger von Jägersdorf Wert auf Ihr Wetterläuten, wie sie es bei einer Versammlung der Kirchenverwaltung 2016 zum Ausdruck brachten. Sie setzen auf die „Kraft“ der Glocken, deren Schallwellen das Gewitter auseinandertreiben sollen.

War es die „Dickschädeligkeit“ die den Brauch erhielt? Neumaier schrieb in einem in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Artikel zum Wetterläuten:

„… Und sie ließen Kirchenglocken erschallen, um Gewitter abzuwenden. Von letzterem ist man immerhin abgekommen im katholischen Bayern, die Erkenntnisse der Wetterforschung anerkennend. Tatsächlich hat die moderne Meteorologie starke Wurzeln im einstigen Kurfürstentum und späteren Königreich. Bis ins 18. Jahrhundert überwogen religiöse Erklärungen für jede Art von Wetter. Mit der Aufklärung etablierte sich die wissenschaftliche Wetterkunde. Wie Glaube und Aberglaube abgelöst wurden vom Wissen über das Wetter und seine Erscheinungen beschreibt der Meteorologe Peter Winkler in der historischen Fachzeitschrift Oberbayerisches Archiv. Die Wissenschaft qualifizierte Talismane und Wetterkerzen als Instrumente der Metaphysik ab. Und sie machte die Wetterkunde zu einer Naturwissenschaft. In dieser waren Glockenläuten und Kanonenschüsse als physikalische Attacken auf den Himmel indes durchaus einen Versuch wert. …

Die kurfürstliche Akademie der Wissenschaften in München lobte damals noch regelmäßig einen Preis aus, zu dem sie eine Preisfrage stellte. Im Jahr 1775 machte sie Forschern zur Aufgabe herauszufinden, „ob und was für Mittel es gebe, die Hochgewitter zu vertreiben und eine Gegend vor Schauer und Hagel zu bewahren“. Der Benediktiner-Pater Benedikt Arbuthnot aus dem Regensburger Schottenkloster St. Jakob, ein weithin geschätzter Physiker, ging aus dem Wettbewerb als Sieger hervor. Er untersuchte den Blitz als solchen, den er „Donnerstrahl“ nannte, und ging der Elektrizität dieser Himmelserscheinung auf den Grund. Er war ziemlich sicher, dass Blitze aus purem Strom bestanden: „Ich getraue mich zu behaupten“, schrieb Arbuthnot, „daß kein Phaenomenon, so eigentlich und unmittelbar von der Wirkung des Strahles herkömmt, so man nicht durch die electrischen Versuche erklären kann.“

Konnte Glockengebimmel dem entgegenwirken? Nein, das hielt er am Ende „nicht nur für unnütz, sondern auch für schädlich“. Nach Arbuthnots Erkenntnissen zogen die Glocken Blitze sogar an. Sehr viele Kirchtürme würden während des Läutens vom Blitz getroffen, er wisse von einer Pfarrei, in der das gleich acht Mal in einem Jahr geschehen sei. Dahinter steckte für ihn ein einfaches physikalisches Prinzip: Beim Läuten werde die „electrische Materie“ aus den Glocken getrieben – und dieses Vakuum wiederum ziehe die vom Blitz erzeugte Elektrizität der Luft an. Folglich schlägt’s im Kirchturm oder in den umliegenden Häusern ein. …

Zu den wissbegierigen und besonders innovativen Wetterkundlern zählten die Patres Benedikt Arbuthnot und Placidus Heinrich, ebenfalls ein Regensburger Benediktiner, allerdings nicht im Schottenkloster, sondern im weitaus bedeutenderen Kloster St. Emmeram. Wer „Die Anfänge der Meteorologie in Oberbayern“ beschreibt, wie der Titel von Peter Winklers Aufsatz lautet, kommt an ihnen nicht vorbei. Aus heutiger Sicht mögen Arbuthnots Ausführungen unbedarft klingen, für seine Zeitgenossen in Bayern waren diese Studien revolutionär, vielleicht sogar aberwitzig. …

Arbuthnots Ratschläge trafen in Münchner Regierungskreisen auf offene Ohren: Stephan von Stengel, ein illegitimer Sohn des Kurfürsten und Staatsrat, ließ das Gewitterläuten im Jahr 1784 verbieten. Stengel war es auch, der das erste meteorologische Messnetz in Bayern anlegen ließ, eine der 22 Messstationen war am Hohenpeißenberg. Obwohl sich längst herumgesprochen hatte, dass Blitzableiter gute Dienste bei der Abwehr von Einschlägen leisteten, hielt sich der Glocken-Aberglaube noch hartnäckig. In ganz Europa sprach es sich schließlich auch herum, dass es in Blitzableiter-Versuchslabors Zwischenfälle gab – wie den Todesfall des Georg Wilhelm Richmann, der 1753 bei der Arbeit mit seinem damals hochmodernen „Elektrometer“ von einem Blitz erschlagen wurde.

Schon im Jahr 1777 war der Wasserturm von Schloss Nymphenburg mit einem Blitzableiter ausgestattet – ebenfalls ein Priester hatte sich dafür eingesetzt, der Jesuit Franz Xaver Epp. Doch selbst Bedienstete des Hofes ignorierten das Glockenverbot. Peter Winkler fand alte Rechnungen von Schloss Nymphenburg, wonach Mitarbeiter vom Schulmeister bis zum Brunnenknecht noch viele Jahre später Zuwendungen fürs Wetterläuten erhielten. Solange es lukrativ war, glaubten diese Mitarbeiter gern an die magische Kraft des Geläuts.

Auf die Umsätze der Kanonenhersteller wirkte sich die preisgekrönte Studie des Benedikt Arbuthnot günstiger aus als auf die Wetterlage. Schon elf Jahre nach seiner Ehrung sah sich die Akademie veranlasst, die gleiche Preisfrage wie 1775 erneut zu stellen: Wie lässt sich ein Gewitter verhindern? Diesmal gewann Placidus Heinrich. In seiner Arbeit zweifelte er keineswegs an der Wirkung des Schießens, allerdings werde dadurch ein Gewitter nur vertrieben und es entlade sich dann eben in der Nachbarschaft. Deshalb sei es selbstverständlich schädlich. Ein Kurfürst war schließlich für den Schutz aller Untertanen zuständig. Wenige Jahre später wurden auch die Kanonenschüsse gegen Gewitter verboten.“

Weitere Geläute

Manuell eingeschaltet wird das Geläut noch zu folgenden Anlässen:

Sterbeglocke

Sterbeglocke (kleine Glocke) bei Tod eines Jägersdorfers: 3 Vater unser mit Gegrüßet seist Du Maria mit kurzer Unterbrechung vor Beginn des nächsten Vater unsers.

Bei Messen

  • Erstläuten – 1 Stunde vor Beginn – mit der großen Glocke. Dieses gibt es seit der Umstellung von Sommer- auf Normalzeit seit 2016 bei den werktäglichen Gottesdiensten nicht mehr.
  • 3/4-Läuten – 15 Minuten vor Beginn – mit der großen Glocke (der Name kommt wahrscheinlich daher, dass die Kirchen in Jägersdorf über lange Zeit immer zur vollen Stunde begonnen haben)
  • Zusammenläuten – 5 Minuten vor Beginn – mit beiden Glocken.
  • Außerdem wird während des Gottesdienstes bei der Wandlung mit der großen Glocke und beim Wettersegen mit beiden geläutet.

Erstmals Geläut zur Papstwahl

Am 13. März 2013 läuteten in Jägersdorf erstmals nach einer Papstwahl (Papst Franziskus) die Kirchenglocken. Das Erzbistum München und Freising hat mittels Pressemitteilung um ein 15 Minuten langes läuten der Glocken nach der Präsentation des neuen Papstes auf dem Petersplatz in Rom gebeten.

Die hohe Bedeutung der Papstwahl lässt sich wohl auch daran erkennen, dass das Geläut nach dem abendlichen Gebetläuten war. Traditionell ist es unüblich und war in der Vergangenheit nur in Gefahren-/Notsituationen gestattet.

Aufsehen erregte Papst Franziskus, als er die Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom vor seinem päpstlichen Segen um ein Gebet für ihn bat. Hätte dies vorher jemand gewusst, dann wäre wohl keine Zeitvorgabe für die zeitliche Länge des Geläuts erfolgt, sondern die Empfehlung eines Gebetes. Für die Festlegung der Länge war dies zu Zeiten, als die Glocken noch per Hand angeschlagen wurden, üblich.

Ratschen

Am Karfreitag und Ostersamstag schweigen die Glocken in Jägersdorf. In dieser Zeit kommt zum Gebetläuten, Zwölfuhrläuten und am Freitag zusätzlich zum Elfuhrläuten und am Samstag zum Feierabendläuten (Dreiläuten) um 15:00 Uhr eine Kastenratsche zum Einsatz. Sie wird hierzu an die Treppe am Eingang zum Turm gelehnt.
Bei der Ratsche dreht man an einer Kurbel und dreht damit eine Walze, an der Noppen befestigt sind. Dabei werden am Klangkörper angebrachte Lamellen mit einem Hammerkopf am Ende durch die Noppen angehoben, geraten dadurch unter Vorspannung und schlagen dann auf das Deckbrett des Klangkörpers . Der Klangkörper ist 78 cm lang, 30 cm breit und hat an der Walze eine Höhe von 19 cm. Alle Teile der Ratsche sind aus Holz. Das Alter ist unbekannt, doch kann sich kein Jägersdorfer an eine andere Ratsche erinnern.

In früheren Jahren war es für die Kinder ein Ereignis an der Ratsche drehen zu dürfen. Nicht selten kam es dabei zu Streitigkeiten, weil einer das Gefühl hatte, er hätte weniger lang ratschn dürfen. Heute kommt kaum noch jemand zur Kirche, um entweder selbst zu ratschn oder einfach nur dabei zu sein.

Jägersdorfer Kirchenratsche

Jägersdorfer Kirchenratsche

Hörprobe

Hinweis: Link geht zu YouTube!