Bräuche

Hausweihe zwischen Weihnachten und Heilig Drei König

Zwischen den Jahren wird das Haus, der Stall und die sonstigen Gebäude mehrmals geweiht. Dabei geht man mit dem Weihrauchfass und Weihwasser von Raum zu Raum bzw. von Gebäude zu Gebäude. Mit dem Weihrauchfass schwenkt man dreimal in den Raum, spritzt Weihwasser und bekreuzigt sich. Dies erfolgt an Heilig Abend vor der Beschehrung, an Silvester und an Heilig Drei König. An Heilig Drei König wird der zuvor frisch geweihte Weihrauch verwendet.

Als junger Bub war man nicht immer begeistert dies zu tun. Die Räume waren früher meist ungeheizt, so dass es oft ungemütlich war. Da der Segen durch sieben Wände geht, hat man immer gerechnet, wie die Weihe optimal, also mit wenig Aufwand, vollzogen werden könnte. Dies war aber eher theoretischer Natur, da die meist ältere Begleitperson schon jeden Raum und jedes hinterste Eck mit Weihrauch und Weihwasser geweiht haben wollte.

Feld- und Viehweihe am Ostersonntag

Auch wenn es immer weniger Landwirte im Ort gibt, so gehen diese weiterhin am Ostersonntag zur Feldweihe. Dieser Brauch wird schon von Prechtl beschrieben

„Am Ostermontag steckt man kleine Kreuzlein, welche aus den am Palmsonntage geweihten Palmzweigen gemacht werden, auf die Felder, „dann sind sie vor Ungeziefer und Hochgewitter gesichert“.“

Wie bei über Jahrhunderten gepflegten Bräuchen üblich, unterscheidet er sich sicherlich von Ort zu Ort und auch die „Feldweihegegenstände“ und die damit verbundenen Gepflogenheiten differieren von Hof zu Hof.

Losgehen tut es bereits am Palmsonntag. Hier bringen die Bauern ihre Palmbäume zur Weihe in die Kirche, in unserem Fall nach Wolfersdorf. Früher trugen die Buben eines Hofes den Palmbaum und wenn keiner im passenden Alter zur Verfügung stand, so ging man zum Nachbarsbuam, der sich damit etwas verdienen konnte. Das Palmbaumtragen war in der Regel sehr gut bezahlt, man musste sich aber auch mal einen dummen Spruch anhören, wenn man den geweihten Palmbaum zurückbrachte „Den host aber ned gscheit weihn lassn, der is ja gor net schwarer worn“.

Aus dem Palmbaumstock wird dann der Brandstecken gefertigt, der am Ostersamstag beim Osterfeuer angesengt wird. Heute sind nur noch wenige Landwirte bei dieser Weihe und es gibt auch kein Gerangel mehr um den „besten Platz“ am Feuer. In den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts war das noch anders. Da konnte es schon mal sein, dass man vom damaligen Wolfersdorfer Mesner eine Watschn einfing, wenn bereits beim Anzünden des Feuers um einen guten Platz geschoben wurde. Allerdings war da auch bei den älteren Buben Absicht dabei, da man um die Zornigkeit wusste und deshalb der Mesner beim Anzünden schon ein paar mal auf den Holzstoß fallen sollte.

Am Ostersonntag wird dann nach dem Hochamt das „Geweihte“ gegessen und anschließend möglichst schnell zur Feldweihe gegangen. Noch immer hört man, wenn man die anderen bei der Weihe trifft, „pressieren tuts, weil der der als letzter seine Felder weiht auch der letzte bei der Ernte ist“.

Heute wird von den meisten Landwirten meist an den vier Ecken des Feldes geweiht. Zunächst steckt man den Palm, in den oftmals noch quer – in der Form eines Kreuzes (wie bereits von Prechtl beschrieben) – der Segnbaum eingesteckt ist, in das Feld. Dann folgt der Brandstecken. Meist wird er an der angesengten Seite eingesteckt, da man sich so seine Hände nicht so verschmutzt. Dann streut man Essensreste aus dem „Geweihtenessen“ (Eierschalen, Rinde vom Kree, …) aus und abschließend wird das ganze noch mit Weihwasser bespritzt und ein Kreuzzeichen gemacht.

Das Weihen an den vier Feldrändern ist erst seit der Flurzusammenlegung gebräuchlich und wird so auch nicht von allen Landwirten praktiziert. Aufgrund der vielen Felder wurde früher meist nur an einem Eck geweiht. Die Felder waren früher auch meist nur von einer Seite anfahrbar, so dass man zur gegenüberliegenden Seite über das Feld hätte laufen müssen.

Geweiht wird traditionell das Wintergetreide und der Hopfen. Allerdings steckt man auch beim Haferfeld ein, wenn schon angebaut ist.

Der Ehrgeiz lässt aber nach. Wegen des schlechten Wetters am Ostersonntag 2013 gingen die meisten Bauern erst am Ostermontag. Doch selbst am Dienstag waren 2013 noch nicht alle Felder geweiht.

Doch nicht nur die Felder wurden geweiht, sondern auch die Tiere auf dem Hof. Sie erhielten etwas geweihtes Salz und ein Stückchen geweihtes Brot.

Wetterkerzen

Auf jedem Bauernhof gab es die schwarzen Wetterkerzen, die meistens in Altötting gekauft und dort auch gleich geweiht wurden. Sie wurden bei Aufzug eines Gewitters angezündet und standen meist in der „Stubn“.

Die Wetterkerzen hatten aber auch einen praktischen Nutzen. Insbesondere bei Gewittern fiel früher immer wieder der Strom aus und man wäre somit in der Nacht im dunklen Haus gesessen. Die Wetterkerze bot aber ausreichend Licht, um weitere Kerzen anzuzünden oder eine Taschenlampe zu suchen.

Kerzenleuchterputzen

Eine ordentliche Kirche zu haben war der Stolz der Dorfbewohner. Messing- und Silbergegenstände setzten im Laufe des Jahres einen Belag an, der durch intensive Reinigung – dem sogenannten Kerzenleuchterputzen – beseitigt wurde. Früher war dies Anfang Mai, noch vor der ersten Maiandacht. Üblich war, dass von jedem Hof eine weibliche Person zum Putzen kam. Hierzu wurden  auf dem Mesnerhof Tische aufgestellt, auf denen die Kerzenleuchter, das Weihrauchfass, der Weihwasserkessel usw. mit speziellen Reinigungsmitteln geputzt wurden. Je nach Witterung war dies in der Küche, im Hof oder der Garage. In den letzten Jahren wurde das Kerzenleuchterputzen in den Herbst verschoben und meist mit Kaffee und Kuchen verbunden.

Beichtzettelsammlung

Mit Beginn der Fastenzeit bis Pfingsten erhielt man bei der Beichte einen Beichtzettel. Dies war der Nachweis, dass man seiner „Beichtpflicht“ zur Vorbereitung der Kommunion nachgekommen ist. Etwa 14 Tage nach Pfingsten war dann die sogenannte Beichtzettelsammlung in der Filialkirche. Der Pfarrer sammelte die Beichtzettel ein und erhielt pro Beichtzettel ein Hühnerei. Es war eine große Schande, wenn nicht jeder Hausbewohner einen Beichtzettel vorweisen konnte. Insbesondere die ältere Generation legte großen Wert darauf. Damit man sich nicht schämen musste, gingen, meist die Frauen, vorsichtshalber mehrmals zum Beichten, um notfalls einen „Ersatzbeichtzettel“ für die Jugend zu haben. Die Beichtzettel wurden in Jägersdorf noch bis Ende des 20. Jahrhunderts eingesammelt. Parallel wurde für kirchliche Einrichtungen gesammelt.

Glücksgeld

Verkaufte ein Landwirt eine Kuh oder ein Kalb an einen anderen Landwirt, dann gab der Verkäufer dem Käufer bei der Abholung ein sogenanntes Glücksgeld. In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts waren dies meist 2 oder 5 DM. Der Käufer legte dies dann beim nächsten Kirchenbesuch bei der Sammlung ein oder warf es in den Opferstock seiner Kirche vor Ort. Als der Viehhandel dann fast ausschließlich über Viehhändler lief und die Käufer meist nicht bekannt waren, kam dieser Brauch ab.

Heilige Drei Könige

Zu Jahresbeginn 2004 gingen erstmals Jägersdorfer Heilige Drei Könige von Haus zu Haus. Dies waren die Ministranten Antonia und Michaela Neuhauser sowie Michael Grabichler. Als Sternträger fungierte Christian Grabichler.

Sitzordnung in der Kirche

Bis ins 21. Jahrhundert hat sich die früher wohl übliche Sitzordnung erhalten. Die Frauen sitzen auf der sogenannten „Weiberseite“, die beim Blick auf den Altar auf der linken Seite ist, die Männer auf der „Mannerseite“. Die (männliche) Jugend ist auf der Empore.

Die Jägersdorfer halten sich auch im 300. Jahr seit Kirchenerbauung an diese Sitzordnung. Lediglich beim Rosenkranz nutzen die Damen die „Mannerseitn“, um eine ausgewogene Stimmenverteilung zu gewährleisten.

Es ist erstaunlich, dass es immer noch jeden Jägersdorfer irritiert, wenn ein männliches Wesen sich auf die linke Seite setzt und man frägt seinen Kirchnachbarn: „Kennst Du den?“. Aber eins ist somit auch sicher gestellt, den kennt nach der Kirche jeder Jägersdorfer.

Holzfällermesse

Der Heilig Abend begann in Jägersdorf traditionell mit einem Dankgottesdienst der Holzfäller für ihre verstorbenen Kollegen und eine unfallfreie Arbeit.

Hiesige Landwirte verdienten sich früher als Holzfäller in den im Umkreis liegenden Waldungen des Grafen Holnstein aus Thalhausen ein Zubrot.

Die Tradition des Engelamtes ging mindestens bis in dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Die frühere Mesnerin Auguste Wildgruber berichtete, dass es im Jahr ihrer Einheirat 1939 dieses Engelamt bereits gab. Wahrscheinlich war der Beginn aber noch etliche Jahrzehnte früher.

Ursprünglich war der Beginn um 7:00 Uhr. In den letzten Jahren wurde dann aber eine Stunde später begonnen. Auch ging die Gottesdienstbesucherzahl kontinuierlich zurück.

Dennoch herrscht Wehmut bei denen, die das Engelamt über Jahrzehnte regelmäßig besuchten. Die gesungenen Lieder, eine Mischung aus Weihnachts- und Marienliedern, trugen eigentlich dazu bei, in die weihnachtlich Ruhe zu kommen. Und dies, obwohl die bäuerliche Bevölkerung vor der Kirche noch ihre Stallarbeit verrichteten musste und auch die restliche Tageszeit bis zur Bescherung mit land- und forstwirtschaftlicher Arbeit verbracht wurde. Früher ging es trotz vieler Arbeit scheinbar ohne Weihnachtsstress.

Das letzte Engelamt, zelebriert von Pfarrer Franz Turek, fand am 24. Dezember 2012 statt.

Gottesdienste in der Filialkirche

Mayer berichtet in „Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising“ I. Band aus dem Jahr 1874, dass die Filialkirche Jägersdorf „durch den II. Kooperator pastorirt“ wird. Gottesdienste waren an jedem zweiten Sonntag, abwechselnd mit Palzing, und am Oster- und Pfingstmontag, am „St. Joseph- und Bennofest, sowie am Patrocinium. Kirchen-Musik besorgt d. Lehrer von Palzing“.