Albrecht von Johansdorf

Albrecht von Johansdorf, Minnesänger

Im Rahmen einer Kirchenführung am 30.9.2012 in Jägersdorf hat Kreisheimatpfleger Goerge erwähnt, dass Albrecht von Johansdorf ein Sohn des Ortes sein könnte. Er bezieht sich hierbei auf einen Germanisten aus Freiburg im Breisgau.
Nach Wikipedia wird er auch als „Albertus de Janestorf“, „Albert von Jahenstorf“ oder „Der von Johansdorf“ bezeichnet. Geboren wurde er vor 1180 und starb nach 1209.

Bekannt wurde er als Minnesänger, vor allem wegen seiner Kreuzzugslyrik. Er gehörte zu den bekanntesten Minnesängern.

Die Diskussion, ob der bekannte Minnesänger nun aus Jägersdorf kommt, wurde auch im 19. Jahrhundert geführt. So schrieb
Johannes Hornoff in seiner Dissertation „Der Minnesänger Albrecht von Johansdorf“ aus dem Jahr 1889: „… Wo der Ort Johansdorf liegt, bez. gelegen hat, darüber scheint eine Gewißheit nicht zu erlangen zu sein. Nur so viel steht fest, daß derselbe nach Baiern, wahrscheinlich nach Niederbaiern gehört. Förstemann (Anmerkung: Quelle in der Dissertation) verlegt ihn in die Nähe von Wolfersdorf westlich von Moosburg; doch bezeichnet Freudensprung (Anmerkung: Quelle in Dissertation) denselben von Förstemann „auf einer alten Karte“ als Jehensdorf gelesenen Namen als Jägersdorf (of. Förstemann a. a. O.). Röhricht in seinem Kreuzfahrerkatalog (Ztschr. f. d. Phil. VII, 155) folgt Förstemann. …“
Im weiteren Textverlauf ordnet Hornoff Johansdorf aber eher dem Niederbayerischen zu.
Quelle Link Diss. Johannes Hornoff, 1889.

Vertiefende Informationen zu Albrecht von Johansdorf finden sich in der Universität Passau. Auch aktuelle Veröffentlichungen beschäftigen sich mit diesem Minnesänger.

Was hat er nun konkret gesungen? Ob es ein Beispiel auf YouTube gibt wurde nicht überprüft, aber in Wikipedia ist folgender Liedtext aufgeführt:

„Wie sich minne hebt daz weiz ich wol
Wie sich minne hebt daz weiz ich wol;
wie si ende nimt des weiz ich niht.
ist daz ich es inne werden sol
wie dem heræen herzeliep geschiht,
sô bewar mich vor dem scheiden got,
daz wæn bitter ist.
disen kumber fürhte ich âne spot.
Swâ zwei herzeliep gefriundent sich
unde ir beider mmne em triuwe wirt,
die sol niemen scheiden, dunket mich,
al die wîle unz si der tôt verbirt.
wær diu rede mîn, ich tæte alsô:
verlüre ich mînen friunt,
seht, sô wurde ich niemer mêre frô.
Der ich diene und iemer dienen wil,
diu sol mîne rede vil wol verstân.
spræche ich mêre, des wurd alze vil.
ich wil ez allez an ir güete lân.
ir genâden der bedarf ich wol.
und wil si, ich bin vrô;
und wil si, so ist mîn herze leides vol.[5]

Wie Liebe beginnt, das weiß ich gut; wie sie endet, weiß ich nicht. Sollte ich erfahren, wie dem Herzen Herzensliebe zuteilwird, so bewahre mich Gott vor dem Scheiden, das gewiss sehr bitter ist. Diesen Kummer fürchte ich sehr. // Wenn zwei einander von Herzen lieb haben und ihrer beider Liebe Treue wird, soll keiner sie scheiden, bis es der Tod tut. Beträfe es mich, erginge es mir so: Wenn ich meine Geliebte verlöre, sehet, würde ich nie mehr froh werden. /// Der ich diene und immer dienen werde, die wird gut verstehen, was ich meine. Sagte ich mehr, wäre es allzuviel. Über all das soll ihre Güte entscheiden. Ihre Zuneigung brauche ich sehr. Und will sie, so bin ich froh und zugleich ist mein Herz voll Leid.“

Eingefügt aus Wikipedia, abgerufen 17.11.2016

Hinweise zu Adelsgeschlechtern in Jägersdorf

In Jägersdorf und Umgebung war bis zu oben genannten Vortrag nichts von Adeligen, Grafen, Herzögen oder Rittern bekannt. In der Literatur der Dorfchroniken im Umkreis tauchen Namen wie die Wolfersdorfer, Lodron, Massenhauser usw. auf. In diesem Zusammenhang aber nie ein Johansdorfer. Berichte zu den Adeligen im Umkreis beziehen sich meist auf Ereignisse im engeren Umfeld. Falls die Johansdorfer also eher weitläufiger Unterwegs waren, und hierzu gibt die Teilnahme an einem Kreuzzug Anlass, kann es somit durchaus sein, dass sie im örtlichen Geschehen keine große Rolle spielten. Damit fanden sie möglicherweise auch keinen Niederschlag in den regionalen Aufzeichnungen.

Johann Martin Maximilian Einzingers von Einzing allerdings beschreibt die Wappen der Turnierteilnehmer in der Zeit des Heinrich der Vogler (um 876 – 2.7.936) bis Maximilian I. (22.3.1459 – 12.1.1519; ab 1508 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches). Darin beschreibt er die Jagenstorfer, die zunächst nichts mit Vorfahren aus Jägersdorf zu tun haben, geht darin aber zur Abgrenzung der Jagensdorfer zu den Jahrsdorfern bzw. Jahensdorfern auf die Wappen dieser ein.
Konkret schreibt er:

„Jagenstorf

Die Jagenstorfer werden zwar zu den Bayern gerechnet: allein sie sind, wie es Wigules Hund zu thun scheint, mit den Jahrsdorfern nicht zu vermischen: dann die Jachendorfer haben ihren namen und herkommen von dem im Landshuterischen Pfleggerichte Mospurg gelegenen landgute Jehenstorf oder Jahensdorf. Die Jahrsdorfer aber sind Franken. Die Jahensdorfer führen 3. goldene Kronen 2. 1. gesetzt im rothen Felde. Auf dem helme halten zwo aufgehebte rothe armen mit rothen händen, eine solche krone worauf silberne haanenfedern stecken. Die helmdecke ist inwendig von gold; auswendig aber roth. Die Jahrsdorfer hingegen führen einen gevierten Schild. Das erste und letzte feld ist gepelzet: das andere und dritte aber roth. Auf dem helme stehet eine mit der Schildestheilung und farbe gezeichnete hohe hauben, an dessen Spitze haanenfeder stecken.“

Dies würde heißen, dass unsere Vorfahren in ihrem Wappen 3 goldene Kronen auf rotem Felde führten. „2. 1. gesetzt“ wird wahrscheinlich bedeuten, dass zwei unten und eine darüber angeordnet war (oder umgekehrt?). Auf dem Helm hielten zwei ausgestreckte rote Arme mit roten Händen eine Krone wie im Wappen dargestellt, worauf silberne Hahnenfedern steckten.

War Jägersdorf für einen Ritter groß genug?

Ein Ritter musste sich selbst ernähren und das „Geld“ haben, sich das Leben als Ritter leisten zu können. Er benötigte als Grundlage Besitz, zur damaligen Zeit Grundbesitz mit hörigen Bauern, um sich die Pferde, Rüstung, Knappen usw. leisten zu können. In dem Podcast des Bayerischen Rundfunks „Beten, kämpfen, arbeiten“ (Link zum Podcast) wird als Mindestgröße 200 ha genannt. Jägersdorf wird wohl auch zur damaligen Zeit von einem ringförmigen Wald umzogen gewesen sein. Setzt man die innerhalb dieses Bereiches liegende Fläche an, so wäre diese Mindestgröße wohl für Jägersdorf erfüllt gewesen.