Zwei Großbaustellen (eine davon legal)

Wasserversorgung

Nachdem immer mehr Haushalte die Wasserversorgung durch den Wasserzweckverband Paunzhausen nutzten, sollte die Versorgungssicherheit durch den Bau eines Hochbehälters bei Jägersdorf verbessert werden. In den Unterlagen des Wasserzweckverbandes ist unter April 1975 vermerkt: „Der erforderliche Grund für den Hochbehälter und die Zufahrtsstraße wurde von Otto Schweiger aus Jägersdorf erworben“. De facto traten aber zusätzlich andere Anlieger kostenlos Grund für den Bau einer Teerstraße zum Hochbehälter ab. Eine saubere rechtliche Regelung erfolgte in diesen Fällen dann im Rahmen der Flächenzusammenlegung, ca. 20 Jahre später.

Mit Beschluss vom 25.6.1975 wurden die Straßenbauarbeiten für die Zufahrtsstraße zum geplanten Hochbehälter an die Firma Höhrhammer in Nandlstadt vergeben (Kosten: 122700,00 DM).

Am 25.06.1975 erfolgte die Beauftragung der Baufirma Schlegel aus Ottobrunn mit dem Bau des Hochbehälters (Baukosten: 1.166.000,00 DM). Die Firma Vogel aus München erhielt am 25.6.1975 den Auftrag zur Lieferung der Maschinenanlage (Kosten: 390.000,00 DM). Im März 1976 hätte dann Baubeginn sein sollen. Ein Beschluss vom 8.3.1976 verschob den Baubeginn dann um 6 Monate, wegen Finanzierungsproblemen. Im August 1976 war dann aber Baubeginn. Das Richtfest folgte im Juli 1977 und die Inbetriebnahme im März 1978.

Ein Dank an Herrn Manfred Daniel, Verbandsvorsitzender des Wasserzweckverbandes Paunzhausen, der das ganze Archiv nach Informationen für uns absuchte.

Der illegale Bau

Der Hochbehälter war aber zu dieser Zeit nicht die einzige Großbaustelle im Ort. Die damaligen Teenager bauten sich in der Mirgelgrube eine Hütte. Was „gscheites“ sollte es werden und entsprechend großzügig wurde geplant und gebaut. In jeder freien Minute und jeden Sonntag war Arbeitseinsatz. Obwohl jeder damals auch ohne Führerschein Traktor fuhr, war es undenkbar diese für den Bau der Hütte einzusetzen. Der Bau musste also in reiner Handarbeit erstellt werden. Eines wurde aber deutlich unterschätzt: der Materialbedarf. Irgendwann hatte jeder zuhause Ärger, weil so viele Bretter verschwanden. Auch die Baumfällung im angrenzenden Wald fiel auf, obwohl alles versucht wurde keine Spuren zu hinterlassen (auf den Baumstock bieseln und Erde darauf verreiben, so dass der Schnitt älter aussehen sollte). Der Geschädigte war aber gnädig: „Ihr Hundsbuam ihr verreckten“ – und nach grimmigen Blick ein Lächeln: „Machts es gscheit“.

Ungelöst bleib aber, woher die noch fehlenden Bretter für die Seitenwände kommen sollten. Irgendwann war die Verzweiflung dann so groß, dass man bei der benachbarten Großbaustelle mal schauen wollte, ob nicht was rumliegt, was nicht mehr gebraucht wurde. Zwei bis drei Milchwagerlladungen Bretter wurden dann an einem Sonntagnachmittag „ausgeliehen“. Allen war klar, dass es ordentlich Ärger gibt, wenn das auffällt. Die größten Probleme hätte es aber zuhause gegeben. Der Transport erfolgte deshalb nicht auf dem kürzesten Wege, sondern erst Richtung Westen in den Wald und dann im Wald zur Hütte. Mit dieser Aktion konnte die Hütte dann fertig gebaut werden. Allerdings war der Reiz an der Hütte nach der Fertigstellung dann schnell verflogen.