Renaturierung Hutgraben

Zum „Grobn“

Östlich von Jägersdorf verläuft ein Graben aus Heigenhausen kommend zur Amper. Im Volksmund hatte dieser keinen eigenen Namen, es wurde nur immer vom „Grobn“ gesprochen. Regelmäßig kam es zu Überflutungen.
Die Bezeichnung Hutgraben fasste erst Fuß, nachdem hin und wieder etwas darüber in der Presse stand, dann, wenn sich der Gemeinderat Wolfersdorf damit befasste. Genauere Informationen hatten die Bürgerinnen und Bürger aus Jägersdorf aber nicht.

Einen Überblick über die Maßnahmen gibt ein Vortrag von Matthias Maino, den er für den Dachverband der Pflegeverbände am 27.07.2011 in Augsburg hielt. Herr Maino hat die Genehmigung zur Veröffentlichung hier erteilt, wofür ihm ein herzlicher Dank gilt.

„Vorgehensweise und Probleme bei der Renaturierung Gewässer 3. Ordnung im Landkreis Freising Hutgraben“

Maßnahmenstatus

  • Südlicher Abschnitt: Renaturierung durchgeführt vor 10 Jahren
  • Nördlicher Abschnitt: in Ausführung seit 2008
  • Für beide Abschnitte wurden zwei getrennte Gewässerentwicklungspläne erstellt (wichtig für die Förderung)

Lage

Der Hutgraben verläuft westlich der Gemeinde Wolfersdorf. Er entspringt bei Heigenhausen und Oberhaindlfing und läuft nach Süden bis ins Ampertal. Er durchquert zwei Gemeinden (Wolfersdorf und Zolling).

Ausgangs – Problematik

Periodisch auftretende Hochwasserspitzen nach Starkregenereignissen; große Erosionsschäden an den Ufern mit starker Eintiefung in die Gewässersohle

Historie

Teile des Bachlaufes südlich von Jägersdorf wurden bereits vor 10 Jahren renaturiert. Erosionserscheinungen im Bachbett, die zu Böschungsabbrüchen und schließlich zu einer Gefährdung der nah angrenzenden Gemeindestraße führten, stellten hier ein so großes Problem dar, so dass die angrenzende Straße gesperrt werden musste.

Südlicher Abschnitt Hutgraben: Straße mir Erosionsschäden

Südlicher Abschnitt Hutgraben: Sohlschwellen kurz nach dem Einbau

Ziele

Hauptziel dieser Renaturierungsmaßnahme war die Sicherung der Straße. Aber auch die Verbesserung des ökologischen Zustandes war ein wichtiges Planungskriterium.
Zunächst wurde ein Gewässerentwicklungsplan erstellt, dessen ökologische Zielsetzungen auf Grund der engen Straße jedoch nicht vollkommen berücksichtigt werden konnten (daher nur 30 % Förderung).

Maßnahmen im südlichen Abschnitt

  • durch Aufweitung der Profile um etwa 2-3 m und Verlegung des Gewässers nach Osten konnten die Niedrig- bzw. Mittelwasserereignisse in den Bereich der bisherigen Böschungsoberkante verlegt werden.
  • Sicherung und leichte Anhebung der Sohle mit Hilfe von Grundschwellen (Steine und Querverbauung mit Gehölzen).
  • Sicherung der straßenseitigen Böschung durch Pflanzung bzw. Kombination von Pflanzung und naturnaher Bauweise

Ausgangszustand Hutgraben südlicher Abschnitt

Verlegung des Gewaässers nach links von der Straße, Abflachung des linken, Anböschung des rechten Ufers

Kosten Hutgraben

Der Maßnahmenträger war die Gemeinde Wolfersdorf. Sie hatte auch den Gewässerentwicklungsplan in Auftrag gegeben.

Die Planung unter der Leitung der Landschaftspflegeverbandes Freising übernahm das Ingenieurbüro Beckmann.

Die Kosten der Renaturierung betrugen auf einer Länge von etwa 600 m 8 000,- €.

Maßnahmen im nördlichen Abschnitt

Auch der nördliche Teil des Hutgrabens zwischen Jägersdorf und dem Ursprungsgebiet des Hutgrabens konnten ab Sommer 2008 renaturiert werden.
Maßnahmenträger ist die Gemeinde Wolfersdorf. Sie erteilte auch 2006 den Auftrag zur Erstellung eines Gewässerentwicklungsplanes – als Grundlage für die Antragsstellung für die Renaturierungsmaßnahmen beim Wasserwirtschaftsamt Freising.

Stark eingetieftes Bachbett mit extremen Erosionsschäden vor der Renaturierung

Während der Renaturierung: Einbau von Erosionsschutzmatten

Nach der Renaturierung: eingewachsene Ufer

Während der Renaturierung: Einbau von Erosionsschutzmatten und Wasserbausteinen

Während der Renaturierung: Einbau von Kies, Erosionsschutzmatten und Wasserbausteinen

Während der Renaturierung: Einbau von Kies zur Anhebung der Gewässersole

Nach der Renaturierung bildet sich langsam wieder eine Gewässersole

Maßnahmenstand und Kosten Hutgraben

Der Maßnahmenträger ist die Gemeinde Wolfersdorf. Die Planung und das Ausschreibungsverfahren erfolgten unter der Leitung des Landschaftspflegeverbandes Freising mit dem Ingenieurbüro Stocker. Die Kosten der Renaturierung betragen auf einer Länge von etwa circa 2.300 m 81.000,- €. Die Gesamtkosten werden zu 60 % vom WWA gefördert. Die Gemeinden stellten dem Pflegeverband das Geld zur Vorfinanzierung der Maßnahme zur Verfügung. Der Pflegeverband organisierte die Fördergelder, die wasserrechtliche Genehmigung, die Bauüberwachung und Abrechnung uns das Ausschreibungsverfahren.

Der gesamte Vortrag von Herrn Maino mit Beiträgen zum

  1. Hutgraben – ca 2,3 km Länge, Förderung durch das Wasserwirtschaftsamt, ökologischer Ausbau und Hochwasserschutz (2008)
  2. Flitzinger Bach – 2,8 km Länge, Förderung nach den Landschaftspflegerichtlinien, ökologische Renaturierung (2004)
  3. Graben bei Eisenthal – Förderung durch Landschaftspflegerichtlinie (1999)
  4. Rudertshauser Graben – Förderung durch das Wasserwirtschaftsamt, Renaturierung und Hochwasserschutz (2009)
  5. Abens – Förderung durch das Wasserwirtschaftsamt, Renaturierung und Hochwasserschutz (2000)

ist unter folgender Internetadresse abrufbar:

http://www.lpv.de/fileadmin/user_upload/data_files/Vortraege/WRRL-Qualifizierung/Bayern/6_Maino_Gew%C3%A4sserrenaturierung.pdf