Jägersdorfer Hube ein Spielball der „Mächtigen“

Zwischen 1323 und 1356 geriet eine Hube (Anmerkung: Hofstelle) in Jägersdorf zum Spielball der örtlichen Adeligen. Hiervon berichtet Dr. Johann B. Prechtl in „Urkunden aus dem Schloß-Archive zu Au in der Hallertau mit einer geschichtlichen Einleitung über die Hallertau“ (München 1862).

„Eine alte Jahrtagstiftung  Wolfersdorf, einer der ältesten Orte in der Hallertau, hatte von uralter Zeit her seinen eigenen Adel – die Wolfersdorfer, welche um das Jahr 1440 ausgestorben sind. Ihre nächsten Anverwandten waren die Gerlhauser (Gerlhausen in der Pfarrei Zolling), deren einer, Jörg Gerlhauser, die von den Wolfersdorfern gemachten Stiftungen zum ewigen Gedächtnisse in einen mächtigen Stein links und rechts eingraben und denselben im alten Eingange der Pfarrkirche zu Wolfersdorf so einmauern lies, daß die eine Hälfte der Schrift von der Außenseite, die andere von der Innenseite dieser Kirche gelesen werden muß: solch ein Stiftungsbrief trotzt freilich dem Zahne der Zeit!

Warum wohl der Gerlhauser das Andenken an diese Wolfersdorfer so geehrt haben mag? Ein Grund hierfür dürfte in dem Umstande zu suchen sein, daß Konrad Wolfersdorfer eine seiner Töchter dem Arnold von Massenhausen zur Ehe gab, nachdem dieser seine erste Gattin Elisabeth von Greifenberg aus Eifersucht am 5. Decbr. 1323 zu Kranzberg hatte verbrennen lassen. Dieser Konrad Wolfersdorfer gab als Mitgift seiner Tochter unter andern auch eine Hube zu Jägersdorf bei Wolfersdorf, die er von dem Domkapitel zu Freising unrechtmäßiger Weise an sich gerissen hatte, wie er auf seinem Todbette i. J. 1356 selbst bekannte. Anrnold von Massenhausen war ehrlich genug, das unrechte Gut an die Domcusterei zurückzugeben; die Wolfersdorfer wollten durch schöne Stiftungen ihr Gewissen beruhigen und sich mit der Kirche versöhnen, der Gerlhauser aber diese Versöhnung durch ein bleibendes Denkmal bezeugen. …“

Dieser Stein ist heute noch in der Pfarrkirche Wolfersdorf zu sehen.