Brunnenbau

Gründung einer Wassergenossenschaft

In einer Versammlung am 21. September 1947 beschlossen die Jägersdorfer eine Wassergenossenschaft zu gründen, um einen Brunnen zu schlagen und so eine sichere Wasserversorgung zu haben.

In dem Protokoll, das am 28.9.1947 durch den Bürgermeister der Gemeinde Dürnhaindlfing Obermeier endgezeichnet wurde, heißt es:

Protokoll

Die unterzeichneten Betriebsinhaber von der Ortschaft Jägersdorf haben in einer Versammlung am 21. Sept. 1947 beschlossen, eine Wassergenossenschaft zu gründen, mit dem Zwecke einen Brunnen mit elektrischem Pumpwerk auf dem Grundstück des Johann Ziegltrum Hs.Nr. 2 zu errichten. Es ist beabsichtigt auf dem Grundstück des Seb. Schweiger Hs.Nr. 4 eine Wasserreserve zu erbauen und von hieraus die Ortsleitung mit Hydranten anzulegen. Sämtliche Unterzeichnete verpflichten sich zur Mitarbeit und zu Anteilsmäßigen Zahlung. Jedem wird das gleiche Wasserrecht eingeräumt.“ Es folgen dann die Unterschriften der Jägersdorfer und einer Jägersdorferin, mit Ausnahme des Ranners, der einen eigenen Brunnen besitzt.

Das angesprochene Grundstück Hs.Nr. 4 befand sich damals an der Stelle, an der sich heute die Reserve im Westen von Jägersdorf befindet. Es fand zwischen den Eigentümern ein Grundstückstausch statt.

Brunnenbau

Für die „Brunnenbohrung“ beauftragte man die Fa. Ludolf Ruf aus Erding. In deren Rechnung ist für den 22.10.1947 aufgeführt „Herrichten und Aufladen der ersten Ladung Werkzeuge und Geräte in Erding lt. Angebot.“ Der Betrag war 150,– RM.

Am 22.10.1997 erfolgte dann der Transport derselben von Erding – Jägersdorf für den Preis von 74,– RM.

In den Tagesberichten ist dann vermerkt, dass am 23.10.1947 mit den Grabungen begonnen wurde. In den ersten Tagen schaffte man 3 bis 4 m am Tag.

Der Durchmesser war ca. 1 m. Es wurde versucht, Betonrohre in diesem Durchmesser von oben stetig nachrutschen zu lassen, doch funktionierte dies nur bis zu einer Tiefe von etwa 8 m. Anschließend grub man so weiter. Inwieweit während des Grabes Aussteifungen eingebaut wurden ist nicht bekannt. Nach Abschluss der Grabungen erfolgte ein Ausmauern durch einen Maurer.

Die Arbeiten verliefen zunächst sehr zügig, sind dann aber bei einer Tiefe von 37,30 m vom 30.11.1947 bis zum 14.12.1947unterbrochen worden. Der Grund hierfür dürfte in der Tatsache zu suchen sein, dass man auf Fels stieß. Am 15.12.1947 war der Bohrmeister Döllel vor Ort und in der Rechnung ist zudem aufgeführt, dass der Bohrmeister Pigler eine Kontrolle durchführt. Bei diesem Termin wird das weitere Vorgehen abgestimmt worden sein, da für die nächsten Tage wieder Arbeiten verrechnet, sind.

Aufkommende Skepsis

Während der Zeit des Nichtbohrens war in Jägersdorf scheinbar größere Unruhe. Hintergrund war sicherlich der aufgefundene Fels, aber auch, dass ursprünglich davon ausgegangen wurde, dass bei 16 m mit Wasser zu rechnen sei. Bei dieser Tiefe war jedoch nur ein „Schwitzer“, der für eine ausreichende Versorgung niemals ausgereicht hätte.

Dem stand die Aussage des Bohrmeisters entgegen, der immer wieder betonte, hier sei ein riesiges Wasserreservoir zu finden.

Die Folge war, dass der Großteil der Jägersdorfer den Vertrag kündigte. Mit den Unterschriften auf einem Dokument, datiert auf den 17.12.47, wurde folgendes Schreiben an die „Leitung der Wassergenossenschaft Jägersdorf“ übergeben:

„An die Leitung der „Wassergenossenschaft Jägersdorf“ in Jägersdorf!

Betrifft: Einstellung der Zahlungen für den Brunnenbau in Jägersdorf!

Die Unterzeichneten lehnen hiermit jegliche weiteren Forderungen an Geldmitteln von Seiten der Leitung der Wassergenossenschaft in Bezug auf den Brunnenbau ab und verzichten auf eventuelle Ansprüche.

Die Gründe dieses Vorhabens werden in folgenden 6 Punkten niedergelegt.

1.) Es kann von einem Vertrag, den wir unterschrieben haben, keine Rede sein, da das Schriftstück, welches damals zur Unterschrift vorgelegt wurde, niemals ein Vertrag war, laut § 119, § 125 u. 126 des BGB.

2.) Wurde dieses Schriftstück von uns im guten Glauben an die uns anfangs versprochenen Aussichten auf genügend Wasser bei geringer Brunnentiefe unterschrieben.

3.) Sehen wir nicht ein zum Vorteil Einzelner ein Unternehmen zu finanzieren.

4.) Ist dieses Unternehmen hoffnungslos, da bereits jetzt bei einer mehr als doppelten Tiefe, wie anfangs festgestellt, noch keine entsprechenden Wassermengen vorhanden sind.

5.) Würden, wenn bei Weiterführung des Brunnenbaues genügend Wasser gefunden wird, die Kosten bis zur entgültigen Fertigstellung der Wasserversorgung so hoch werden, dass sie sich in keiner Weise als dienstlich erweisen.

6.) Wäre es der Allgemeinheit dienlicher gewesen, wenn man für die bis jetzt anfallenden Geldmittel die alte Wasserversorgung aus den Brunnen von Billingsdorf renoviert hätte.

Die Einstellung der Zahlung erfolgt mit dem heutigen Tage.

Eine Abschrift liegt bei den Unterzeichneten vor.“

Dieses Schriftstück haben nahezu alle Jägersdorfer unterzeichnet. Drei entschlossen sich zum Weiterbau: Wirt, Brummer, Huber. Ein Grund dürfte gewesen sein, dass sie bei trockenen Sommern im wahrsten Sinne auf dem Trockenen saßen.

Mut wird belohnt

Der Ausstieg aus dem Projekt erwies sich als fataler Fehler. In der Rechnung der Fa. Ruf. wird vom 16. mit 20.12.47 der „Einbau von 6 mtr Aufsatzröhren Mannesmannstahl 300 mm Durchmesser 10 mm Wandstärke“ und „Einbau von 4 mtr Filterrohre 300 mm Durchmesser schwarz Schlitzung 3 x 30 mm 3 mm Wandstärke“ aufgeführt.

Bereits am 23.12.1947 wurde eine Versuchspumpe eingebaut. Der Pumpversuch zur Bestimmung der Ergiebigkeit des Brunnens erfolgte dann am 24.12.1947. Zunächst senkte sich der Wasserstand um 2 m ab, blieb dann aber im Gleichgewicht. Somit zeigte sich, dass das Brunnenschlagen von Erfolg gekrönt war.

Am 10.1.1948 ist der letzte verrechnete Arbeitstag der Fa. Ruf mit dem Verladen der Geräte verzeichnet. Die von dieser Fa. in Rechnung gestellten Leistungen beliefen sich auf 5916,80 RM.

Da zu dieser Zeit schwer an Material zu kommen war, schrieb z. B. die Fa. Siemens-Schuckertwerke AG am 23.2.1948, sie bräuchten für den bestellten Drehstrommotor Eisenbezugsrechte und führten weiter aus „… Auf Grund zahlreicher Schwierigkeiten in der Materialbeschaffung ist mit einer Lieferzeit von 14 Monaten zu rechnen. …“. Parallel wurden Anträge beim Bayerischen Landesamt für Wasserversorgung gestellt. Das Landesamt erteilte mit Schreiben vom 3.2.1948 eine Absage bzgl. der Bezugsscheine für den Elektromotor, der Bedarf an Rotguß für Arbeitszylinder wurde aber vorgemerkt.

Bereits am 11.12.1947 wies das Bayer. Landesamt für Wasserversorgung 50 kg Dieselkraftstoff und 2 lt. Öl zu.

Mit dem Ausstieg der Jägersdorfer erledigte sich auch der Aufbau einer Wasserversorgungsleitung. Es hätte durch den Ort eine Ringleitung verlegt und 4 Hydranten für Feuerlöschzwecke eingebaut werden sollen. Hierfür waren 700 m 3 Zoll, 200 m 2 Zoll und 100 m 1 Zoll-Leitungen vorgesehen. Erst in den siebziger Jahren kam es dann zum Aufbau einer vergleichbaren Wasserversorgung durch den Wasserzweckverband Paunzhausen.

Das Lieferdatum der beauftragten Pumpe ist nicht bekannt. Allerdings war sie nicht sonderlich haltbar, da es eine Rechnung über eine neue Pumpe vom 23.2.1950 gibt. Diese war sehr robust und tat bis 1996 ihren Dienst.

Die drei verbliebenen Höfe errichteten dann noch eine Reserve im Jahr 1949. In späteren Jahren verlegte man eine Leitung zu einer anderen Reserve in Jägersdorf, um diese bei Trockenheit mit ausreichend Wasser zu versorgen.

Wasseranalysen in den 90er Jahren zeigten, dass die Wasserqualität sehr gut gewesen wäre. Bzgl. Ergiebigkeit gibt es Gerüchte, dass sie zur Versorgung der Stadt Moosburg ausgereicht hätte.